Kryptowährungen: Zahlungsmittel und Spekulationsobjekt in einem?

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In unregelmäßigen Abständen gibt es neue Produkte am Finanzmarkt, die sich entweder dauerhaft durchsetzen oder wieder in der Versenkung verschwinden. Eine Art Finanzprodukt, welches allerdings weder im Kreditbereich angesiedelt ist noch der Kapitalanlage dient, sind seit einigen Jahren die sogenannten Kryptowährungen.

Diese gibt es in Form der bestens bekannten Bitcoins zwar mittlerweile bereits seit acht Jahren. Der Trend hin zu Kryptowährungen und der teilweise bestehende Hype existiert allerdings erst seit kurzer Zeit, was auch an der Kursentwicklung zahlreicher Cryptocoins abzulesen ist.

Im folgenden Ratgeber können Sie sich darüber informieren, was Kryptowährungen sind, wie sie funktionieren, wo Sie die sogenannten Cryptocoins erwerben können und was Sie sonst noch zu diesem Thema wissen müssen.

Was sind Kryptowährungen?

Die zwei Begriffe Kryptowährungen und Cryptocoins werden in der Praxis meistens synonym verwendet. Kryptowährungen zeichnen sich dadurch aus, dass es sich im Prinzip um Transaktionsnummern bzw. Datensätze handelt, die insbesondere in Relation zum gewöhnlichen Zentralbankgeld, also beispielsweise dem Euro, einen bestimmten Gegenwert besitzen.

Ursprünglich sollten Cryptocoins ausschließlich dem Zahlungsverkehr dienen, damit Privatpersonen oder Unternehmen Zahlungen vornehmen können, die unabhängig vom etablierten Bankensystem stattfinden sollten. Darüber hinaus besteht ein großer Vorteil der Kryptowährungen darin, dass die Transaktionen erheblich schneller abgeschlossen sind, als es beispielsweise bei einer typischen Banküberweisung von einem zum anderen Girokonto der Fall ist. Allerdings ist es seit einiger Zeit so, dass Kryptowährungen zwar einerseits dem Zahlungsverkehr dienen können, auf der anderen Seite aber auch von immer mehr Privatpersonen zur Spekulation genutzt werden.

Wie entstehen und funktionieren Cryptocoins?

Woher das Zentralbankgeld stammt, ist Ihnen sicherlich bewusst: Bei Einführung einer neuen Währung und anschließend nach Bedarf ist die zuständige Zentralbank damit beauftragt, beispielsweise Banknoten drucken zu lassen. Diese werden in Umlauf gebracht und können dann von allen Wirtschaftsgruppen, also von Privathaushalten und Unternehmen, genutzt werden.

Das Prinzip bei Kryptowährungen ist nur bedingt vergleichbar. Die verschiedenen Coins, von denen es mittlerweile über 800 am Markt gibt, werden in der Regel durch Computer hergestellt. Dazu müssen die Rechner mittels eines Algorithmus extrem komplizierte Rechenaufgaben lösen. Ist dies erfolgreich geschehen, wurde dadurch – praktisch als Belohnung – ein Cryptocoin generiert. Man bezeichnet diesen Vorgang auch als Mining oder Schürfen.

Mit diesen Cryptocoins können Sie nun – meistens bisher allerdings ausschließlich theoretisch – zum Beispiel Käufe im Internet oder in Geschäften vor Ort bezahlen. Bisher sind es fast ausschließlich Bitcoins, die zumindest in einigen Onlineshops oder sogar in wenigen Geschäften akzeptiert werden.

Um beispielsweise Bitcoins zu übertragen, müssen beide beteiligten Parteien ein sogenanntes Wallet besitzen. Es handelt sich dabei um eine Art elektronische Geldbörse, in der die verschlüsselten Dateien bzw. Transaktionsnummern gespeichert werden. In einem dezentralen Netzwerk (Blockchain) werden sämtliche Transaktionsvorgänge und somit indirekt die Kryptonwährungen als Bestand gespeichert.

Wenn Sie nun beispielsweise Bitcoins an eine andere Person übertragen möchten, funktioniert dies über die zwei Wallets und im Zuge eines öffentlichen und privaten Schlüssels. Der öffentliche Schlüssel ist quasi die Adresse, unter der das Wallet vorzufinden ist und demzufolge mit einer Kontonummer vergleichbar. Der private Key hingegen dient dazu, die Transaktion zu bestätigen und kann somit mit einer aus dem Online-Banking bekannten TAN verglichen werden.

Kryptowährungen immer öfter als Spekulationsobjekt genutzt

Die Idee, dass Kryptowährungen in erster Linie dem Zahlungsverkehr dienen sollen, hat sich bisher – mit Ausnahme der Bitcoins in Teilen – noch nicht durchgesetzt. Stattdessen sehen insbesondere Kritiker die über 800 Cryptocoins, die am Markt existieren, als reine Spekulationsobjekte an. Dies trifft leider auch auf die größten und bekanntesten Kryptowährungen zu, zu denen beispielsweise die folgenden Coins gehören:

  • Bitcoins
  • Ethereum
  • Monero
  • Ripple
  • Dash
  • Litecoins
  • Dodgecoins

All diese Cryptocoins funktionieren nach dem gleichen Prinzip und der Preis pro Coin stellt sich in Bezug auf eine Zentralbankwährung, also vorwiegend den Euro oder den US-Dollar, dar. Allerdings lässt sich die Frage danach, warum eigentlich der Wert eines einzelnen Coins steigt oder fällt, nur schwer beantworten. Ausschlaggebend sind hier vor allen Dingen Spekulationen und die Erwartung von potenziellen Käufern, ob sich der entsprechende Cryptocoin zukünftig am Markt durchsetzen und somit an Wert gewinnen wird.

Wie extrem groß der Einfluss dieser Zukunftsaussichten ist, zeigt sich am Beispiel der Bitcoins. Geschaffen wurde diese erste Kryptowährung im Jahre 2009, wobei sie damals allerdings noch einen Wert von unter zehn Cent hatten.

Heute müssen Sie über 2.000 Euro für einen einzigen Bitcoins zahlen. Der Wert eines Bitcoins ist somit in den vergangenen acht Jahren um sage und schreibe mehr als zwei Millionen Prozent gestiegen. Anders ausgedrückt: Hätten Sie beispielsweise im Jahre 2009 für einen Gegenwert von 100 Euro Bitcoins erworben, wären Sie heute mehrfacher Millionär. Insbesondere diese extrem positive Preisentwicklung ist es, die dazu geführt hat, dass einerseits immer mehr Privatpersonen versuchen, mit Bitcoins und den zahlreichen anderen Kryptowährungen zu spekulieren.

Zum anderen hat dies natürlich ebenfalls dazu beigetragen, dass es immer mehr unterschiedliche Kryptonwährungen am Markt gibt, denn jeder möchte mit dem Mining oder dem Handel von der anschließenden Wertsteigerung der Coins profitieren.

Wo findet der Handel von Kryptowährungen statt?

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, wie Sie in Besitz der virtuellen Coins gelangen können. Der erste Weg besteht darin, selbst Cryptocoins zu schürfen. Das sogenannte Mining findet mit Hochleistungsrechnern statt, die äußerst komplexe Rechenaufgaben lösen müssen. Diese Rechnungen sind allerdings auf keinen Fall mit dem gewöhnlichen Heim-PC zu schaffen, sondern Sie benötigen Rechner mit sehr leistungsstarken Grafikkarten, Prozessoren und sonstigen Elementen. Die Investitionskosten sind demnach nicht unerheblich und können sich durchaus auf mehrere Zehntausend Euro belaufen. Ob dann die geschürften Coins tatsächlich mindestens den entsprechenden Gegenwert der Investitionskosten haben, ist fraglich.

Ein einfacherer Weg, wie Sie ebenfalls in den Besitz der Kryptonwährungen kommen können, ist der Kauf über spezielle Börsen. Diese Marktplätze funktionieren ganz ähnlich wie Wertpapierbörsen, denn auf den Plattformen gibt es Angebot und Nachfrage. Manche Personen möchten ihre Cryptocoins verkaufen, während andere Verbraucher gerne ihre Bestände einrichten oder erhöhen wollen.

Auf den Cryptocoin Börsen werden die Coins also zu einem bestimmten Preis gehandelt. Aber nicht nur der Kauf der Kryptowährungen ist möglich, sondern Sie können auf den entsprechenden Börsen in der Regel auch eine gegen die andere Kryptowährung eintauschen. Meistens handelt es sich beim Bitcoins um die „Zwischenwährung“, über die ein solcher Tausch stattfindet.

Cryptocoins in der Zukunft: Womit ist zu rechnen?

Eine der schwierigsten Fragen, die es aktuell bezüglich der Kryptowährungen gibt, besteht darin, wohin die Entwicklung gehen wird. Können sich zumindest einige dieser Coins tatsächlich am Markt durchsetzen und eine echte Alternative zum Zahlungsmittel Zentralbankgeld werden?

Vieles wird sicherlich davon abhängen, wie sich das Vertrauen der breiten Bevölkerung in dieses virtuelle Zahlungsmittel gestaltet. Ein anderer Faktor, von dem die Entwicklung ebenfalls abhängig sein wird, ist die Einstellung von Politik und der Finanzwelt gegenüber den Cryptocoins.

Schon jetzt kritisieren zahlreiche Politiker und übrigens auch Zentralbanken, dass es sich bei den Kryptowährungen um reine Spekulationsobjekte handeln würde und selbst in 20 Jahren nicht zu erwarten ist, dass man zukünftig beispielsweise mit Bitcoins an der Supermarktkasse bezahlen könnte, so wie es jetzt mit der Kreditkarte oder der Bankkarte üblich ist.

Extrem negative Auswirkungen hätte zum Beispiel ein plötzlich drastischer Wertverfall der einzelnen Kryptowährungen, was nicht unmöglich erscheint. Immerhin ist beispielsweise der Bitcoin trotz seiner vorher bereits phänomenalen Preisentwicklung in 2017 erneut um etwa 100 Prozent im Wert gestiegen. Insgesamt sind die Zukunftsaussichten für Kryptowährungen also sehr ungewiss, aber eine gewisse Hoffnung darauf, dass sie sich am Markt durchsetzen und auch Spekulanten noch hohe Gewinne bescheren könnten, besteht durchaus.

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