Der Strom-Markt in Deutschland

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Bis 1998 war der Strommarkt in Deutschland ein regulierter Markt. Es gab bis zu diesem Jahr die sogenannte dreistufige Versorgungsstruktur. Diese bestand aus acht überregionalen Verbundunternehmen, die 82 Prozent des Stroms erzeugten, aus etwa 80 regionalen Versorgungsunternehmen, die 7 Prozent der Stromerzeugung übernahmen und aus etwa 900 kommunalen Versorgungsunternehmen, die 11 Prozent der Stromerzeugung besorgten.

Die Versorgungsunternehmen gehörten mehrheitlich Städten und Gemeinden. Eine Zeit lang wurden viele Stadtwerke verkauft, dieser Trend dreht sich ein einiger Zeit um. In den vor 1998 geschlossenen Versorgungsgebieten gab es stets nur einen Stromanbieter. Es gab zwischen den Gebietskörperschaften und den Energieunternehmen entsprechende Verträge, so dass die Exklusivität für ein Gebiet gesichert war. In den Verträgen waren ausschließliche Wegerechte für die Verlegung von Stromleitungen in öffentlichen Straßen geregelt. Jeder Stromanbieter war verpflichtet, nur in „seinem“ Gebiet Strom bereitzustellen.

Die Liberalisierung des Strommarketes

In den zwei Jahren vor der Liberalisierung des deutschen Strommarktes hatte der zuständige Europäische Rat Richtlinien erlassen, die die Öffnung der nationalen Strom– und auch Gasmärkte in den Staaten Europas regelt. Vorgeschrieben sind darin die Organisation des Strommarktes (Binnenmarktrichtlinie), der Zugang alternativer Stromanbieter und Regeln für den Betrieb der Verteilernetze. Bisher haben dies neben Deutschland, den skandinavischen Staaten, Großbritannien, Österreich und Spanien komplett umgesetzt. Obwohl der vorgeschriebene Prozess jahrelang dauern darf, hat Deutschland bereits 1998 alles umgesetzt. Seitdem ist der bis dahin gültige Gebietsschutz hinfällig.

Auch heute noch haben die regionalen Stromanbieter in ihrem Gebiet eine Anschluss- und Versorgungspflicht. Dies besagt, dass im jeweiligen Gebiet jeder Haushalt zu den allgemeinen Stromtarifen an das Stromnetz angeschlossen und jederzeit mit Strom versorgt werden muss. Auch wenn in den vergangenen Jahren sehr viele Haushalte zu einem alternativen Anbieter gewechselt sind, muss der örtliche Stromversorger auch bei einem Ausfall die Versorgung sichern. Das garantiert, dass auch beim Wechsel des Stromanbieters keine Gefahr besteht, dass die Stromversorgung gekappt wird, auch wenn der alternative Anbieter zum Beispiel aufgrund einer Insolvenz nicht mehr liefern kann. Dann muss der regionale Versorger einspringen, so dass eine durchgehende, zuverlässige Versorgung aller Haushalte in Deutschland gesichert ist.

Zukunft des deutschen Strommarktes

Auf dem deutschen Strommarkt herrscht seit einigen Jahren ein harter Verdrängungswettbewerb. Die Nachfrage nach Strom steigt zwar noch insgesamt leicht an (um 0,5 % im Jahr 2010), dennoch sind die Aussichten auf weiteren organischen Wachstum begrenzt, zumal nahezu alle Deutschen einen Stromanbieter haben.

Im derzeitigen Verdrängungswettbewerb wird der Stromkunde umworben wie wohl nie zuvor in Deutschland. Die Stromanbieter geben für Marketing- und Werbemaßnahmen riesige Summen aus – Tendenz noch immer steigend. Zudem unterbieten sich einige Anbieter regelmäßig mit günstigeren Preisen und Lockangeboten für ihre Kunden.

Derweil versuchen die großen, nach wie vor marktbeherrschenden Anbieter weiter, kleinere Anbieter „zu schlucken“. Die kleinen und lokalen beziehungsweise regionalen Anbieter hingegen versuchen mit aller Macht, ihre Kunden zu halten und durch Zusatzangebote weitere Einnahmen zu generieren.

Die Kunden schauen immer wieder auf die Arbeit der Regulierungsbehörden. So prüfen Kartellämter regelmäßig, ob bei Zusammenschlüssen Marktmissbrauch möglich ist und die Netzagenturen von Bund und Ländern überprüfen die Netznutzungsentgelte.

Sie als Stromkunde haben die Möglichkeit, die Zukunft des deutschen Strommarktes mit zu beeinflussen. Prüfen Sie, ob sich ein Wechsel des Anbieters lohnt. So können sie einerseits Geld sparen und andererseits die weitere Marktentwicklung beeinflussen. Dies betrifft die künftige Marktmacht der großen Anbieter, aber auch die Frage, welche Energiequellen in Zukunft stärker genutzt werden. Mit einem Wechsel zu einem Anbieter, der sogenannten Ökostrom anbietet oder zumindest auf Atomstrom verzichtet, kann jeder einzelne Kunde die Weichen für die Zukunft mit stellen.

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